Eselpfad 1705 – Ein alternativer Stadtrundgang

Udo Sartorius mit Alex

Ursprüngliche Bausubstanz am Marktplatz

Schön, aber unpassend: Gründerzeit (Löwenapotheke, links) und Jugendtsil (Arzthaus, rechts), ganz links ein wenig erhaltene Bausubstanz

Interessiert und nachdenklich folgten die Teilnehmer ihrem Stadtführer

Immer wieder gab es interessante Hinweise und Informationen

Esel Alex war nicht immer ganz so gut aufgelegt

Weilburger Tageblatt mit den schönen Kunststoffsprossen in den Fenstern

Marktplatz gab es die ersten Hinweise von Kaufmann Udo und Esel Alex

Alex trieb manchmal lautstark zur Fortsetzung

Der typische "hessische Mann" im Fachwerk - schade nur, dass durch die Wahl der falschen Materialien bei der Sanierung nicht nur Schäden auftreten, sondern das Raumklima gestört wird

Während unsere Vorfahren durchaus wussten, wie für "die Ewigkeit" gebaut werden kann, müssen Eigentümer nach Verwendung "aggressiver" Sanierungsmittel bald schon erneut in die Tasche greifen

Kaufmann Udo und Esel Alex hatten wenig Zeit, ihr Schimmelwundermittel an den Mann zu bringen

Hier droht schon bald Gefahr durch Herabstürzen maroder Fassadenteile

Eines der ältesten Weilburger Häuser

Udo Sartorius mit Alex

Udo Sartorius mit Alex

Guten Tag, Weilburg! (19. Juni 2010) Am Freitag gab es den ersten alternativen Stadtrundgang durch die Weilburger Altstadt mit Udo Sartorius und der “Initiative Ortskerne Hessen”. Insgesamt zehn Interessierte waren gekommen, um den sachkundigen Führer mit seinem Esel Alex auf ihrem Weg durch die Gassen Weilburgs zu begleiten. Die Altstadtführung soll ab Juli 2010 jeden letzten Freitag im Monat jeweils um 18.30 Uhr am Neptunbrunnen auf dem Marktplatz starten.

Gleich auf dem Marktplatz, mit Blick auf die Häuserfront mit der Löwenapotheke, stellte Udo Sartorius die erste Frage an seine Begleiter: “Fällt Ihnen hier etwas auf?” Anfang des 18. Jahrhunderts hat Graf Johann Ernst zu Nassau-Weilburg seinen Baumeister Johann Ludwig Rothweil gebeten, den Weilburger Marktplatz neu zu gestalten. Dabei entstanden

Ursprüngliche Bausubstanz am Marktplatz

Ursprüngliche Bausubstanz am Marktplatz

Doppelhäuser, wie sie links (Joseph’s und Optiker, komplett) und rechts (Juwelier, zur Hälfte) auch noch erhalten sind. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Front durch die Neubauten der Löwenapotheken und des Arzthauses gleich daneben zerstört. Schlimmer jedoch ist der Einbau der Kunststofffenster in den meisten alten Häusern, diese sehen nicht nur schrecklich aus, sie haben auch negative Auswirkungen auf das Raumklima und somit das Wohlbefinden der Bewohner.

Alleine rund um den Weilburger Marktplatz konnte Udo Sartorius 51 Verstöße gegen den Denkmalschutz und die Altstadtsatzung der Stadt Weilburg ausmachen. Das beginnt bei den schräg angebrachten Geländerbefestigungen an der Treppe zum Marktcafé und endet bei den Veränderungen an den Dacheindeckungen der Häuser noch lange nicht.

Schön, aber unpassend: Gründerzeit (Löwenapotheke, links) und Jugendtsil (Arzthaus, rechts), ganz links ein wenig erhaltene Bausubstanz

Schön, aber unpassend: Gründerzeit (Löwenapotheke, links) und Jugendtsil (Arzthaus, rechts), ganz links ein wenig erhaltene Bausubstanz

Der Spaziergang mit Alex, dem Esel, der zuweilen lautstark zum Weitergehen aufforderte, ging weiter mit einem Blick ins Lahntal. Die steinerne Brücke als Verbindung zum Westerwald brachte Weilburg einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung im Mittelalter. Dieser sorgte dafür, dass sich Weilburg schnell über die Grenzen der Stadtmauer hinweg ausbreitete.

An den auf den ersten Blick schönen Fachwerkhäusern mit ihren herrlichen Bemalungen konnte Udo Sartorius dann auch die Sanierungssünden selbst in jüngster Zeit festmachen. Eine falsche Stadtentwicklungspolitik, die das Straßenniveau stellenweise um etwa einen Meter ansteigen ließ, sorgt für aufsteigende Feuchtigkeit und somit Schimmel. Schimmel ist immer gesundheitsschädlich, kann nur mit erheblichem Kostenaufwand dauerhaft bekämpft werden. Schlussendlich hat so die Stadtentwicklung dafür gesorgt, dass die Immoblilienpreise in der Altstadt ins Bodenlose gefallen sind und kaum noch jemand in sein Eigentum investieren will. “Das war und ist Sparsamkeit am falschen Platz”, erklärte Udo Sartorius und fällt dann auch gleich ein vernichtendes Urteil: “Weilburg ist absolut niveaulos!”

Interessiert und nachdenklich folgten die Teilnehmer ihrem Stadtführer

Interessiert und nachdenklich folgten die Teilnehmer ihrem Stadtführer

Die Teilnehmer an der Stadtführung kamen immer mehr ins Grübeln und stellten Fragen über Fragen. Udo Sartorius wusste die Antworten und sorgte dafür, dass es den Begleitern gelang, ihre Stadt mit anderen Augen zu sehen.

Vielleicht gehen Sie auch einmal mit anderen Augen durch die Weilburger Altstadt? Nicht um sie schlecht zu machen, sondern, wie der Diplom-Ingenieur Udo Sartorius, aus Liebe zu dem, was Weilburg ausmacht. Der nächste Eselspfad 1705 findet am Freitag, 30. Juli 2010, um 18.30 Uhr statt.

Kurz URL: http://www.weilburger-nachrichten.de/?p=6270

Geschrieben von Redaktion am 19 Jun 2010. Gespeichert unter Foto-Galerie, Nachrichten, Weilburg. Sie können alle Antworten auf diesen Beitrag verfolgen. RSS 2.0. Sie können einen Kommentar zu dem Beitrag schreiben oder einen Trackback setzen.

2 Kommentare für “Eselpfad 1705 – Ein alternativer Stadtrundgang”

  1. [...] Weilburg! (PM) Jeden letzten Freitag im Monat gibt es in der Weilburger Altstadt einen neuartigen Stadtspaziergang. Auf den Spuren alter Kaufmannswege, gesäumt von alten Gemäuern, verlief die Route beim letzten [...]

  2. [...] Auf den Spuren alter Kaufmannswege, gesäumt von alten Gemäuern, verlief die Route beim letzten Stadtspaziergang im Juni durch die engsten Gassen der Weilburger [...]

Antwort schreiben

Foto-Galerie


Anmelden | (c) 2010 Weilburger Nachrichten
>